Patrick gegen die KI – Part 1
Kann ich mit KI eine bessere private Webseite bauen als mit einem klassischen Baukasten? Ein Experiment über vier Runden – Squarespace gegen Lovable, mit klaren Regeln, Kriterien und Euch als Punktrichter.
Patrick gegen die KI – Part 1
Bereits vor einigen Jahren trieb mich mit der zunehmenden Bedeutung (und auch Leistungsfähigkeit) künstlicher Intelligenz die Frage um: Kann KI das besser als ich? Für mich als grundsätzlich zahlengetriebenen Menschen Ehrensache, dass ich mein Urteil nicht auf Bauchgefühl stütze, sondern auf messbare Daten.
2023 testete ich also beispielsweise regelmäßig eigens erstellte Betreffzeilen für Marketing-E-Mails gegen KI-generierte. Man sollte hier erwähnen, dass die KI-Entwicklung selbst vor drei Jahren noch nicht da war, wo sie heute ist. Dennoch fand ich es spannend zu sehen, ob ich mit meinen immerhin über 20 Jahren Erfahrung, meinen Branchenkenntnissen und Erfahrungswerten zur Zielgruppe Betreffzeilen erstellen kann, die bessere Öffnungsraten erzielen als die von der KI vorgeschlagenen.
Die Ergebnisse waren mal so, mal so. Aus meiner Sicht gab es keinen klaren Gewinner oder Verlierer. Das mag aber auch an der Qualität meiner Prompts oder an dem, wie angesprochen, damaligen Entwicklungsstand der KI insgesamt gelegen haben. Randnotiz: Aus Fairnessgründen hatte ich damals den klaren Klassenprimus unter den AIs, ChatGPT, verwendet.
Zeitsprung um drei Jahre: Sowohl Entwicklung als auch Bedeutung künstlicher Intelligenz haben eine neue Dimension erreicht. Ich nutze täglich verschiedene KIs sowohl beruflich als auch privat für verschiedenste Anwendungsfelder. Ich möchte an dieser Stelle also zunächst einmal klarstellen, dass es mir bei diesem Beitrag (und der Titel legt ja bereits nahe, dass möglicherweise andere Beiträge zu dieser Reihe folgen könnten) nicht darum geht, die Bedeutung von KI und/oder deren Relevanz in Frage zu stellen. Ganz im Gegenteil.
Es geht mir darum, auch für mich selbst folgende Fragen schrittweise in kleineren und größeren Experimenten zu beantworten:
Wo kann KI einen echten Mehrwert stiften?
Was kann KI nicht nur schneller (das dürfte ohnehin außer Frage stehen), sondern vor allem besser?
Wie ist die Effizienz von KI im Kontrast zu Effektivität zu bewerten? Wohlgemerkt immer bei spezifischen Anwendungsfällen.
Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt: Wie kann KI sinnvoll in unseren Alltag im Job und im Privaten integriert werden?
KI ist hier, um zu bleiben. Das dürfte niemand mehr an diesem Punkt ernsthaft bestreiten wollen. Nun sollte es darum gehen, wie wir sie bestmöglich nutzen.
Das Experiment
Vor einiger Zeit machte mich meine Frau auf Lovable aufmerksam. Sie hatte damit verschiedene Projekte umgesetzt, unter anderem die Webseite für eine gemeinnützige Organisation in unserem Ort. Die Ergebnisse waren in der Tat beeindruckend, insbesondere wenn man diese in Relation zum Aufwand setzt.
Dies brachte mich zu der Frage: Kann ich mit Lovable eine bessere private Webseite mit vergleichbarer Funktionalitätstiefe und basierend auf dem selben Content erstellen als die aktuelle, die mithilfe eines Baukastens erstellt wurde?
Die Regeln
Zunächst einmal möchte ich hier, wie bei jedem ordentlichen Boxkampf, die Regeln definieren:
Kein Vergleich unterschiedlicher KI-Lösungen gegeneinander: Für den Vergleich tritt auf der KI-Seite, wie erwähnt, Lovable an. Falls jemand von Euch auf den Link klickt, erhalte ich einige Credits – that''s it. Ansonsten habe ich keinerlei Vorteile davon, gerade diese Lösung hier besonders zu bewerben. Einziges Auswahlkriterium war: Ich kenne und nutze das Tool bereits. Ich bin mir sicher, es gibt da draußen jede Menge Anwendungen, die ebenso gut oder besser performt hätten.
Kein Vergleich unterschiedlicher Baukastenlösungen gegeneinander: Dasselbe trifft auch auf die von mir verwendete Baukastenlösung Squarespace zu. Auch hier erhebe ich nicht den Anspruch, die beste Lösung (was auch immer das bedeuten mag) für dieses Experiment zu verwenden. Es war die in diesem Moment für mich naheliegendste. Auch von Squarespace erhalte ich keinerlei Vorteile für die Erwähnung bzw. Verlinkung hier.
Der menschliche Faktor: Natürlich sind letztlich beide Lösungen nur so gut, wie der Anwender es zulässt. Da ich weder ein Webentwickler noch ein UX-Designer noch ein Webdesigner bin, kann ein Teil der (nicht vorhandenen) Usability, des mäßigen Designs sowie der technischen Umsetzung eher meinen limitierten Skills in diesen Bereichen als der Lösung selbst geschuldet sein.
Content: Der Content ist zu 100 % durch mich erstellt. Die KI hat lediglich hier und da bei der technischen Umsetzung sowie bei SEO unterstützt.
Content, die 2.: Wie beiden Webseiten zu entnehmen ist, handelt es sich dabei um Webseiten, die ausschließlich zu privaten Zwecken genutzt werden. Also keine gewerblichen Seiten, keine Gewinnerzielungsabsicht, entsprechend sind auch Impressum & Datenschutzerklärung eher spartanisch gehalten.
Dauer des Kampfes: Der Kampf ist für vier Wochen angesetzt. Ich schreibe diesen Artikel in Woche 2, also nach der ersten von vier Runden.
Ende des Kampfes: Der Kampf endet mit einer Bewertung durch die Punktrichter. Diese seid letztlich Ihr, gemeinsam mit mir.
Mir ist wichtig, nochmals zu betonen, dass es mir hier nicht um eine Bewertung der Leistungsfähigkeit einer spezifischen Lösung, insbesondere von Squarespace, geht. Mein Ziel ist es, herauszufinden, ob eine Webseite, die ich im Rahmen meiner Fähigkeiten und Kenntnisse mit KI erstelle, eine echte Alternative oder sogar die bessere Lösung gegenüber der Webseite sein kann, die ich mit einem herkömmlichen Baukasten erstellt habe. In diesem Zusammenhang sollte wohl auch erwähnt werden, dass auch Baukastenlösungen wie Squarespace bereits mit integrierter KI-Funktionalität arbeiten.
Die Vorgehensweise
Die Seite patrickgraab.com wurde mit Squarespace vor ca. einem Jahr erstellt. Die Herangehensweise war ein klassischer MVP (Minimum Viable Product). Auch nach einem Jahr erhebt diese Seite noch nicht den Anspruch, der Weisheit letzter Schluss zu sein, weder was die Tiefe und Breite an Funktionalität angeht noch hinsichtlich Content-Angebot. Und das, obwohl hier durchaus etwas Zeit und Mühe investiert wurde, nicht nur bei der Umsetzung, sondern auch bei der Vorbereitung.
Die Vorbereitung beinhaltete ein recht umfangreiches MIRO-Board, welches mir nach wie vor als Wegweiser dient und u. a. Zielsetzung, Capabilities, Mockup, Themenspeicher für Blog-Beiträge, MVP-Scope sowie Ausbaustufen definiert. Den genauen zeitlichen Aufwand zu beziffern, ist leider nicht möglich, dürfte sich aber durchaus im Bereich mehrerer Tage bewegen.
Die Seite patrickgraab.life wurde nun vor etwas mehr als einer Woche mit Lovable erstellt. Die Vorbereitungszeit lässt sich mehr oder weniger auf die Anmeldung bzw. Accounterstellung sowie das Schreiben eines ausführlichen Prompts mit ca. 5–10 Nachbesserungen reduzieren. Die ursprüngliche Webseite diente als Vorlage, der Content sollte übernommen werden. Als zusätzliche Funktionalität sollten ein Kontaktformular, eine Newsletteranmeldung, ein Admin-Zugang zur manuellen Anpassung von Content sowie ein Schalter zur Umstellung zwischen deutscher und englischer Sprache ergänzt werden. Kleinere Schönheitskorrekturen hier und da, Umzug auf eine eigene Domain, Go-Live.
Die Kriterien
Umsetzbarkeit: Wie leicht oder schwer ist die Realisierung der Webseite bis zum initialen Go-Live. Beim Go-Live sprechen wir natürlich über einen MVP. Da ich die Umsetzung vorgenommen habe, erfolgt diese Bewertung durch mich.
Usability: Hier bin ich an Meinungen interessiert. Bewertet gerne beide Seiten auf einer Skala von 0 bis 5 Sternen, wobei 5 Sterne für State-of-the-Art Usability stehen würden (siehe dazu Punkt 3 des Regelwerks).
Look & Feel / Design: Siehe Punkt 2.
Performance: Hier bewerte wiederum ich anhand der jeweiligen Besucher, Page Views und Visit Duration. Natürlich könnte man hier noch weitere KPIs benennen, aber ich halte diese drei in diesem Kontext bereits für aussagefähig genug. Und ja, man könnte die berechtigte Frage stellen, ob dieser Post das Ergebnis an dieser Stelle nicht verzerrt. Die Unterstellung ist, dass Leser dieses Artikels entweder beide Seiten besuchen oder keine von beiden.
Kosten: Ich nehme es vorweg – an dieser Stelle könnte es tricky werden. Auf die Gründe gehe ich dann ein, wenn es so weit ist. Aber natürlich ergibt es Sinn, zumindest eine Indikation der (möglichen) Kosten für beide Szenarien zu bieten, um so auch Kosten und Umsetzungsaufwand in Relation zu setzen zu Performance und den „soften" Leistungsfaktoren Usability und Design.
Über meine Erfahrung bei der Umsetzung berichte ich dann gesondert als Teil der finalen Bewertung.
Und bevor ich das Wichtigste vergesse, hier die Boxer:
In der blauen Ecke – der bisherige Champion: patrickgraab.com
In der roten Ecke – der Herausforderer: patrickgraab.life
Ring frei für die zweite Runde (sorry, die erste habt Ihr verpasst).

